The Idea Behind “Where the Early Shadows Do Not Fade” – Trauma, Memory and Transgenerational Impact

Where the early shadows do not fade 1, Oil on canvas
Wo die frühen Schatten nicht vergehen / Where the early shadows do not fade, Öl auf Leinwand, 100 x 100 cm, 2025

The Idea Behind My Latest Artwork

Wo die frühen Schatten nicht vergehen / Where the early shadows do not fade

Öl auf Leinwand, 100 × 100 cm, 2025

In vielen meiner Arbeiten setze ich mich mit den psychischen Folgen von Traumata auseinander. Die Beschäftigung damit ist zu einem wichtigen Bestandteil meiner künstlerischen Arbeit geworden. Dieses erste Bild aus dem im vergangenen Jahr begonnenen Zyklus setzt sich mit Erfahrungen auseinander, die Menschen in Kriegen gemacht haben – und damit, wie sie in den nächsten Generationen weiterwirken.

Trauma und seine langfristigen Folgen

Kinder, die im Zweiten Weltkrieg in Luftschutzkellern ausharren mussten, waren über lange Zeiträume Enge, Todesangst und existenzieller Bedrohung ausgesetzt. Die verbliebenen Beschriftungen in diesen Kellern erzählen eine eigene Geschichte – von dem, was unsere Vorfahren empfunden haben müssen, worüber jedoch nie gesprochen wurde. Sie sind eine direkte Metapher für Kindheitstraumata: Unverarbeitet bleiben sie ein Leben lang bestehen und übertragen sich unweigerlich auf die nächste Generation.

Forschung zeigt, dass solche Belastungen bis heute nachwirken – in erhöhter Anfälligkeit für Angststörungen, Depressionen oder posttraumatische Belastungen. Studien belegen zudem, dass traumatische Erlebnisse epigenetische Veränderungen auslösen können, die die Stressregulation beeinflussen und selbst bei der nachfolgenden Generation nachweisbar sind.

Transgenerationale Weitergabe

Gleichzeitig zeigt die Forschung, dass traumatisierte Eltern ihre Erfahrungen über Beziehung und Erziehung weitergeben. Viele Kriegskinder konnten aufgrund ihrer eigenen Belastungen keine feinfühlige, emotional verfügbare Elternschaft entwickeln. Muster von Angst, Härte und Schweigen prägten den Alltag.

Eltern, die im Keller gelernt haben, dass der Ausdruck von Angst Lebensgefahr bedeutet („Nicht sprechen!“), gaben dieses Verhalten ungefiltert weiter. Sie vermittelten ihren Kindern unbewusst: Gefühle zeigen ist gefährlich. Kontrolle behalten ist lebensnotwendig.

Erst wenn die nachfolgende Generation versteht, dass die emotionale Kälte oder die „Mauer“ der Eltern kein Mangel an Liebe war, sondern eine Schutzhülle zum bloßen Überleben, kann die Kette dieser Vererbung durchbrochen werden.

Aktuelle Relevanz

Heute sind weltweit mehr Menschen von Kriegen betroffen als je zuvor. So viele Menschen wie heute waren seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr auf der Flucht. Kriege zwingen Menschen immer wieder in traumatisierende Situationen, während Gesellschaften dazu neigen, die Not der Betroffenen zu übersehen – und damit auch den eigenen Schmerz zu verdrängen.

Ein kollektiver Schatten

Solange das Verdrängte im Dunkeln bleibt, wirkt die Vergangenheit in uns weiter und formt unser Heute. Erst wenn wir hinsehen, benennen und verarbeiten, kann sich das Kollektiv aus seinen „alten Kellern“ lösen.



The Idea Behind My Latest Artwork

Where the Early Shadows Do Not Fade

Oil on canvas, 100 × 100 cm, 2025

In many of my works, I explore the psychological consequences of trauma. Working through these themes has become a central element of my artistic practice. This first painting from the series begun last year addresses the experiences of people who lived through wars—and how these experiences continue to echo across generations.

Trauma and Its Long-Term Consequences

Children who had to endure the Second World War in air-raid shelters were exposed to confinement, mortal fear, and existential threat for extended periods. The surviving inscriptions on the walls of these shelters tell their own story—of what our ancestors must have felt, yet never spoke about. They serve as a direct metaphor for childhood trauma: unaddressed, it persists for a lifetime and is inevitably passed on to the next generation.

Research shows that such burdens linger to this day—manifesting in an increased vulnerability to anxiety disorders, depression, or post-traumatic stress. Studies also demonstrate that traumatic experiences can trigger epigenetic changes that affect stress regulation and remain detectable even in the following generation.

Transgenerational Transmission

At the same time, research indicates that traumatized parents pass their experiences on through attachment and upbringing. Due to their own psychological burdens, many war children were unable to develop sensitive, emotionally available parenting. Patterns of fear, harshness, and silence came to shape everyday life.

Parents who learned in the shelters that expressing fear meant mortal danger (‘Do not speak!’) passed this behavior on unfiltered. They unconsciously conveyed to their children: showing feelings is dangerous; maintaining control is vital for survival. Only when the subsequent generation understands that their parents’ emotional coldness or ‘wall’ was not a lack of love, but a protective shield for mere survival, can the chain of inheritance be broken.

Contemporary Relevance

Today, more people worldwide are affected by war than ever before. Not since the end of the Second World War have so many people been displaced. Wars repeatedly force individuals into traumatizing situations, while societies tend to overlook the plight of those affected—thereby repressing their own pain as well.

A Collective Shadow

As long as what is repressed remains in the dark, the past continues to operate within us, shaping our present. Only when we look closely, name the pain, and process it can the collective liberate itself from its ‘old shelters.’

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The Idea Behind “Where the Early Shadows Do Not Fade 2” – Trauma, Memory and Transgenerational Impact

Where the early shadows do not fade 2, Oil on canvas
“Where the Early Shadows Do Not Fade 2”, Oil on canvas, 100 x 100 cm, 2026

Die verbliebenen Beschriftungen in den Luftschutzkellern erzählen eine eigene Geschichte – von dem, was unsere Vorfahren empfunden haben müssen, worüber jedoch nie gesprochen wurde. Sie sind eine direkte Metapher für Kindheitstraumata: Unverarbeitet bleiben sie ein Leben lang bestehen und übertragen sich unweigerlich auf die nächste Generation.

Wie wirkt es auf einen Menschen, der in Todesangst im Keller sitzt und stundenlang auf ein Schild starrt: „Nicht sprechen!“? Dem Kind wird in diesem Moment jede Möglichkeit genommen, seine Angst verbal zu äußern. Bleibt dieser Befehl nicht im Unterbewusstsein bestehen? Ist das der Ursprung einer späteren Sprachlosigkeit, sobald es um existenzielle Emotionen geht? Führt das genau zu jener emotionalen Erstarrung, wie ich sie bei meinem Vater erlebt habe?

Ich nahm ihn stets hinter einer unsichtbaren Mauer wahr – unnahbar, erstarrt in einer stetigen, stummen Verzweiflung. Sein lebenslanger Rückzugsort war der Keller seines Hauses. Ein Ort, aus dem er nicht herauszuholen war. Der Keller: zugleich Zuflucht und Monument der Vernichtungsangst. Was richtet dieser unlösbare Zwiespalt in einer Kinderseele an, wenn Schutz und Gefahr miteinander verschmelzen? Und welche Eltern können aus einem derart traumatisierten Kind später werden?

Traumatisierte Eltern, die im Keller gelernt haben, dass Ausdruck von Angst Lebensgefahr bedeutet („Nicht sprechen!“), geben dieses Verhalten ungefiltert weiter. Sie vermitteln ihren Kindern unbewusst: Gefühle zeigen ist gefährlich. Kontrolle behalten ist lebensnotwendig.

Der Keller mit seinen massiven, undurchdringlichen Mauern – oft in der Anmutung eines beklemmenden Luftschutzkellers – steht sinnbildlich für das innere Gefängnis der menschlichen Psyche. Es ist ein Ort des Überlebens, aber auch der Isolation, in dem nicht nur die eigenen verdrängten Schatten, sondern nicht selten auch ein transgenerationales Trauma über Jahrzehnte hinweg fortwirken. Ohne den Mut zur Konfrontation verharren wir in dieser zeitlosen Tiefe, gefangen hinter den vererbt wirkenden Wandstrukturen unserer eigenen Biografie.

Die gezeigten Kunstwerke thematisieren diesen verdeckten Schutz- und Entbehrungsraum sowie den oft schmerzhaften, aber existenziellen Prozess des Ausbruchs. Sich aus diesem Seelenzustand zu befreien, gleicht einem kräftezehrenden Akt der Selbstbefreiung: Es erfordert die höchste Anstrengung, sich Stück für Stück durch das aufgetürmte Geröll der Vergangenheit nach oben zu graben. In den Schichten, Texturen und Kontrasten der Arbeiten wird dieser fundamentale Wandlungsprozess greifbar – der mühsame Weg aus der Enge des Verlieses heraus und dem Licht des eigenen Bewusstseins entgegen. 

Erst wenn die nachfolgende Generation versteht, dass die emotionale Kälte oder die “Mauer” der Eltern kein Mangel an Liebe war, sondern eine Schutzhülle zum bloßen Überleben, kann die Kette der Vererbung durchbrochen werden.


 

The remaining inscriptions in the air‑raid shelters tell a story of their own—of what our ancestors must have felt, yet never spoke about. They serve as a direct metaphor for childhood trauma: when left unprocessed, it persists throughout a lifetime and inevitably passes on to the next generation.

What happens to a person who sits in a cellar in mortal fear, staring for hours at a sign that reads: “Do not speak!”? In that moment, the child is deprived of any possibility to express its fear verbally. Does such a command not remain embedded in the subconscious? Is this the origin of a later inability to speak when confronted with existential emotions? Does it lead to the very emotional paralysis I witnessed in my father?

I always perceived him behind an invisible wall—unapproachable, frozen in a constant, silent despair. His lifelong place of retreat was the cellar of his house. A place from which he could not be drawn out. The cellar: both refuge and monument to the terror of annihilation. What does this insoluble conflict do to a child’s soul when protection and danger merge into one? And what kind of parents can emerge from a child so deeply traumatized?

Traumatized parents who learned in the cellar that expressing fear meant mortal danger (“Do not speak!”) pass this behavior on unfiltered. They unconsciously convey to their children: showing feelings is dangerous; maintaining control is essential for survival. The cellar, with its massive, impenetrable walls—often reminiscent of an oppressive air‑raid shelter—symbolizes the inner prison of the human psyche. It is a place of survival, but also of isolation, where not only one’s own repressed shadows linger, but often a transgenerational trauma continues to exert its influence over decades. Without the courage to confront it, we remain in this timeless depth, trapped behind the inherited wall‑structures of our own biography.

The artworks shown explore this concealed space of protection and deprivation, as well as the often painful but existential process of breaking free. Liberating oneself from this state of soul resembles an exhausting act of self‑emancipation: it requires the utmost effort to dig one’s way upward, piece by piece, through the piled‑up debris of the past. In the layers, textures, and contrasts of the works, this fundamental process of transformation becomes tangible—the arduous path out of the confinement of the dungeon and toward the light of one’s own consciousness.

Only when the next generation understands that the parents’ emotional coldness or “wall” was not a lack of love, but a protective shell for mere survival, can the chain of inheritance be broken.

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Ausstellung „Generationen“ im Otto-Wagner-Areal, Pavillon 9.

Ausstellung „Generationen“ – Gruppenausstellung im Otto-Wagner-Areal, Pavillon 9

Teilnahme von Jolanda Richter

Liebe Kunstinteressierte,

Ich freue mich sehr, mit mehreren meiner Werke an dieser Gruppenausstellung teilzunehmen. Zur Vernissage bin ich persönlich vor Ort und stehe gerne für Gespräche, Fragen und Austausch zur Verfügung. Ich freue mich über jeden Besuch – bekannte Gesichter ebenso wie neue.

Veranstaltungsdetails

Veranstaltungsort:
Otto Wagner Areal, Pavillon 9
1140 Wien, Baumgartner Höhe

Datum:
12.–13. Juni 2026

Eröffnung:
12. Juni 2026, 17 Uhr

Öffnungszeiten:
Freitag, 12. Juni 2026 – 17–21 Uhr, Performance
Samstag, 13. Juni 2026 – 16–21 Uhr, Musikperformance

An beiden Tagen findet eine Vorstellung der Künstler*innen sowie eine Führung durch die Ausstellung statt.

Kurator*innen:
Gerti Hopf und Barbara Mithlinger

Herzliche Grüße
Jolanda

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Jolanda Richter in der Galerie3034 – Ausstellung im Rahmen des EFM Sommerfests

Jolanda Richter – Ausstellung in der Galerie3034 im Rahmen des EFM Sommerfests

Die Galerie3034 präsentiert am 19. Juni erstmals Werke der Künstlerin Jolanda Richter. Die Ausstellung findet im Rahmen des EFM Sommerfests statt und zeigt eine Auswahl ihrer figurativen Malerei, die erzählerische Tiefe, atmosphärische Bildwelten und feinsinnige Illustration verbindet.

Ein besonderer Moment für die Galerie3034

Mit dieser Ausstellung setzt die Galerie einen starken künstlerischen Akzent. Die Bildwelten von Jolanda Richter eröffnen einen Raum für Begegnung, Gespräch und Inspiration – ein Highlight des diesjährigen Sommerfests in Unter‑Oberndorf.

Termin & Ort

  • Datum: Freitag, 19. Juni
  • Uhrzeit: ab 16:00 Uhr
  • Ort: Galerie3034, Obere Hauptstraße 27, 3034 Unter‑Oberndorf

Einladung zum Sommerfest

Die Gastgeber:innen Regina Brandstetter, Willi Brandstetter und Sophie Leopold laden herzlich zu einem Nachmittag ein, an dem Kunst, Austausch und sommerliche Atmosphäre im Mittelpunkt stehen.

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Exhibition in Prague

WOMEN IN ART

November 25, 2024 - March 29, 2025

About exhibition:

Art Palace Prague presents the exhibition ‘Women in Art’, a fascinating kaleidoscope of talented female artists from all over the world. This exceptional presentation features 21 female artists who explore a wide range of themes and styles through their work, celebrating the unique creativity and diversity of women’s art.

Art Palace Prague s.r.o.
Na Příkopě 858/20
Nové Město (Praha 1)
110 00 Praha

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Studio Visits

Atelier Jolanda Richter

Nutzen Sie die exklusive Gelegenheit mein Atelier zu besichtigen und hinter die Kulissen zu blicken. Bitte melden Sie sich vorab an, um einen persönlichen Termin zu vereinbaren. Ich freue mich über Ihr Interesse! Anmeldung

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