
In vielen meiner Arbeiten setze ich mich mit den psychischen Folgen von Traumata auseinander. Die Beschäftigung damit ist zu einem wichtigen Bestandteil meiner künstlerischen Arbeit geworden. Dieses erste Bild aus dem im vergangenen Jahr begonnenen Zyklus setzt sich mit Erfahrungen auseinander, die Menschen in Kriegen gemacht haben – und auch damit, wie sie in den nächsten Generationen weiterwirken. Kinder, die im Zweiten Weltkrieg in Luftschutzkellern ausharren mussten, waren über lange Zeiträume Enge, Todesangst und Bedrohung ausgesetzt. Forschung zeigt, dass solche Belastungen bis heute nachwirken: in erhöhter Anfälligkeit für Angststörungen, Depressionen oder posttraumatische Belastungen.
Wir tragen damit – direkt oder indirekt – eine lange Geschichte unverarbeiteter Kriegserfahrungen in uns. Studien belegen, dass traumatische Erlebnisse epigenetische Veränderungen auslösen können, die die Stressregulation beeinflussen und bei der nächsten Generation nachweisbar sind. Gleichzeitig zeigt die Forschung, dass traumatisierte Eltern ihre Erfahrungen über Beziehung und Erziehung weitergeben. Viele Kriegskinder konnten aufgrund ihrer eigenen Belastungen keine feinfühlige, emotional verfügbare Elternschaft entwickeln. Muster von Angst, Härte und Schweigen wurden so weitergegeben.
Heute sind weltweit mehr Menschen von Kriegen betroffen als je zuvor. So viele Menschen wie heute waren seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr auf der Flucht. Kriege zwingen Menschen immer wieder in traumatisierende Situationen, während Gesellschaften dazu neigen, die Not der Betroffenen zu übersehen – und damit auch den eigenen Schmerz zu verdrängen.
Solange das Verdrängte im Dunkeln bleibt, wirkt die Vergangenheit in uns weiter und formt unser Heute. Erst wenn wir hinsehen, benennen und verarbeiten, kann sich das Kollektiv aus seinen “alten Kellern” lösen.
